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Circle und Dialog

 

Die Gemeinsamkeiten der Methoden Circle und Dialog sind viel größer als ihre Unterschiede. In beiden geht es darum, exquisite, schöpferische Gespräche zu führen, in denen so etwas wie kollektive Intelligenz entsteht und genutzt wird. Und zugleich haben beide Methoden etwas andere Schwerpunkte und damit ein paar Unterschiede.

Mit der Methode Dialog soll eine enorm hohe Gesprächsqualität erzeugt werden – eine, von der man sagen kann, dass die Gruppe "zusammen denkt". David Bohm, der die Methode Dialog entwickelt hat, schrieb und sagte, dass diese hohe Gesprächsqualität nur entstehen kann, wenn es nicht darum geht, ein Ergebnis zu erzielen – also einen Konsens oder eine Entscheidung. Dialog (im Bohm'schen Sinne) ist daher weniger etwas für die alltäglichen Gespräche in Organisationen, wo es ja permanent um etwas geht. Der Bohm'sche Dialog wird als Methode für besondere Gelegenheiten verstanden, in der eine Gruppe viel Raum hat, um frei von zeitlichen und von Ergebnis-Zwängen zu ausgewählten Themen miteinander zu reflektieren. Dieser Raum ist zweifellos sehr hilfreich für das Entstehen eines exquisiten Gesprächs.

Circle ist genau so wie Dialog eine Methode für diese besonderen Gelegenheiten, in denen man sich viel Zeit nimmt. Und zugleich ist sie auch eine Methode, mit der eine Gruppe permanent arbeiten kann – also auch in den zeitlich limitierten, eng getakteten und Agenda-getriebenen Meetings des Alltags moderner Organisationen. Sie ist eine Methode sowohl für Führungskräfte wie für Moderatoren. Daraus ergeben sich zwei wichtige Unterschiede:

Erstens, können die Meetings des Alltags nicht durchweg aus einem so starkt verlangsamten Gespräch bestehen, wie das beim Dialog gewollt ist. Im Circle kann das Gespräch teilweise zügig verlaufen und zugleich bei Bedarf jederzeit durch ein Redeobjekt deutlich verlangsamt werden.

Zweitens, geht es im Alltag oft um konkrete Ergebnisse. Konsens soll erzielt und Entscheidungen sollen getroffen werden. Wenn wir Circle einsetzen, gehen wir davon aus, dass eine sehr hohe Gesprächsqualität auch dann erreicht werden kann, wenn solche Resultate anvisiert werden. Wir nehmen an, dass selbst in schwierigen Situationen, in denen die Positionen konträr sind oder ganz neue kreative Lösungen gebraucht werden, solche gefunden werden können. Wir sprechen hier von "Durchbrüchen" – Lösungen oder Einsichten, die die spontane Zustimmung aller erhalten. In Anlehnung an die Worte von Otto Scharmer könnte man sagen, dass es darum geht, die Zukunft zu entdecken, die emergieren will. Solche Durchbrüche werden im Circle nicht durch Argumentieren gefunden, sondern durch das suchende Gespräch, in dem die Beteiligten auf die Kraft der Inspiration vertrauen. Es gibt allerdings keine Garantie dafür, dass diese Inspiration immer gleich innerhalb von 30 Minuten oder im ersten Meeting kommt. Emergenz ist nicht planbar, Raum und Geduld sind auch hier erforderlich.

Bei der Methode Dialog gibt es Dialog-Begleiter, die – in der Regel von außen kommend – die Methode Dialog erläutern, sie anfangs behutsam begleiten und sich dann immer weiter zurückziehen.

Da die Methode Circle nicht nur als Format gedacht ist, das professionelle Begleiter benutzen, sondern zum Modus Operandi von Teams und Werkzeug einer jeden Führungskraft werden kann, gibt es hier andere Rollen. Die Aufgabe des Dialog-Begleiters wird im Alltag gleich von zwei Personen übernommen, die beide zum Team gehören. Die eine Rolle ist der Gastgeber, die andere der Achtgeber. Beide sind letztlich für den gesamten Prozess verantwortlich, doch der Gastgeber ist primär für den inhaltlichen Fluss zuständig, während der Achtgeber auf die Qualiät der Energie und des Dialoges achtet. Beide werden in ihrer Aufgabe von allen Teilnehmern unterstützt.

Abgesehen von diesen Unterschieden haben Christina Baldwin und Ann Linnea, die Entwicklerinnen von Circle, noch andere wichtige Beiträge zum Arbeiten im Kreis geleistet:

  • Die Bedeutung und Möglichkeiten des Erzählens von Geschichten, insbesondere um Gemeinschaft zu förden und Emotionen zu heilen
  • Die Gestaltung und bewusste Nutzung der Mitte des Kreises
  • Kreative Möglichkeiten zur Gestaltung des Check-In

Zusammenfassend könnte man sagen, dass Dialog den Fokus darauf legt, die höchstmögliche Gesprächsqualität zu erreichen, in der eine Gruppe wirklich "zusammen denkt". Circle legt den Fokus darauf, Führungskräften und Moderatoren ein Werkzeug an die Hand zu geben, das eine hohe und gerne auch exquisite Gesprächsqualität stabil im Alltag und zu besonderen Gelegenheiten ermöglicht und mit dem auf konkrete Ergebnisse hin gearbeitet werden kann, aber auch Gespräche geführt werden können, die der Förderung der Gemeinschaft und der Heilung von Emotionen dienen.

Wie gehen davon aus, dass Circle und Dialog in Zukunft zusammenwachsen werden.